Wie viele Sterne kann man mit bloßem Auge sehen?
Wie viele Sterne kann man mit bloßem Auge sehen? Die meisten Leute tippen auf Millionen. Tatsächlich sind es rund 2.500. Am kompletten Himmel, über beide Erdhälften verteilt, gibt es nur 9.096 Sterne, die hell genug für unsere Augen sind. Mehr nicht. Und von einem einzigen Ort aus siehst du davon immer nur einen Teil. Wir zeigen dir, woher diese Zahlen kommen, warum eine Großstadt fast alles davon schluckt, und welchen Stern du garantiert noch nie gesehen hast, obwohl er unser direkter Nachbar ist.
Die kurze Antwort: rund 2.500 Sterne
Unter einem dunklen Himmel, ohne Mond und ohne Straßenlaternen, siehst du mit bloßem Auge etwa 2.000 bis 2.500 Sterne gleichzeitig. Am gesamten Himmel gibt es 9.096 Sterne, die hell genug sind. Die Hälfte davon steht immer unter dem Horizont. Und die Sterne knapp über dem Horizont schluckt der Dunst.
Zur Einordnung: Rechnerisch stehen zu jedem Zeitpunkt rund 4.500 dieser Sterne über deinem Horizont. Praktisch siehst du sie nie alle. Direkt über dem Horizont liegt die dickste Luftschicht, und die frisst die schwachen Sterne weg. Selbst auf einem 3.000 Meter hohen Berg mit perfekter Luft kommst du nur auf etwa 5.500. Das ist das absolute Maximum, das Menschen je erreicht haben.
Woher die Zahl 9.096 kommt
Die Zahl stammt aus dem Yale Bright Star Catalogue, einem Sternenkatalog der Universität Yale. Er listet alle Objekte auf, die heller als Helligkeitsstufe 6,5 sind. Das sind 9.110 Einträge, davon 9.096 echte Sterne. Der Rest sind Sternhaufen und ähnliche Objekte.
Diese Helligkeitsstufe heißt Magnitude, und sie funktioniert rückwärts: je kleiner die Zahl, desto heller der Stern. Sirius, der hellste Stern am Nachthimmel, liegt bei minus 1,5. Der Polarstern bei etwa 2. Bei 6,5 ist für die meisten Augen Schluss. Aber: Das ist ein Durchschnitt. Menschen mit sehr scharfen Augen kommen unter besten Bedingungen bis Magnitude 8. Ältere Augen schaffen oft nur 4,5. Zwischen diesen beiden Werten liegen Tausende Sterne Unterschied.
In der Stadt bleiben unter 100 Sterne übrig
Astronomen messen Lichtverschmutzung mit der Bortle-Skala, die von 1 bis 9 reicht. Stufe 1 ist ein perfekt dunkler Himmel irgendwo in der Wüste. Stufe 9 ist eine hell beleuchtete Innenstadt. Der Unterschied ist brutal.
Auf dem Land mit etwas Streulicht siehst du vielleicht noch 900 Sterne. In einer Großstadt sinkt die Zahl auf unter 100. Und mitten in einer beleuchteten Innenstadt bleiben nur ein paar Dutzend der allerhellsten übrig, dazu Mond und ein paar Planeten. Das ist ungefähr ein Prozent von dem, was theoretisch möglich wäre.
Wichtig ist außerdem Geduld. Deine Augen brauchen Zeit. Die Zapfen in der Netzhaut stellen sich in 5 bis 8 Minuten um, die Stäbchen brauchen 20 bis 30 Minuten, manchmal länger. Wer nach zwei Minuten im Dunkeln aufgibt, sieht nur einen Bruchteil dessen, was da ist.
Wusstest du schon?
Drei von vier Sternen in unserer Galaxie sind Rote Zwerge. Und nicht ein einziger davon ist mit bloßem Auge sichtbar. Auch nicht Proxima Centauri, unser nächster Nachbarstern.
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Plot Twist: Die häufigsten Sterne siehst du nie
Hier wird es spannend. Der häufigste Sterntyp im Universum ist der Rote Zwerg: klein, kühl, schwach. Die NASA schätzt, dass rund 75 Prozent aller Sterne in der Milchstraße Rote Zwerge sind. Von der Erde aus ist kein einziger davon mit bloßem Auge zu sehen.
Bestes Beispiel: Proxima Centauri. Das ist der Stern, der unserer Sonne am nächsten steht, nur etwa 4,2 Lichtjahre entfernt. Trotzdem liegt seine Helligkeit bei Magnitude 11,05. Das ist gut hundertmal zu dunkel für unsere Augen. Von den 60 nächsten Sternen sind rund 50 Rote Zwerge, und keiner von ihnen taucht am Nachthimmel auf.
Was du also nachts siehst, ist eine verzerrte Auswahl. Fast alles am Himmel sind seltene Riesen, die extrem hell leuchten und deshalb auch über große Entfernungen sichtbar bleiben. Die normalen Sterne, die Mehrheit, bleiben unsichtbar. Ein bisschen wie die Karte, die Grönland zu groß zeichnet: Was auffällt, ist nicht das, was typisch ist.
Das am weitesten entfernte Ding, das du ohne Teleskop siehst
Es ist kein Stern. Es ist eine ganze Galaxie. Die Andromeda-Galaxie steht rund 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt und sieht am dunklen Herbsthimmel aus wie ein verwaschener, unscharfer Fleck zwischen den Sternbildern Andromeda und Kassiopeia.
Das Licht, das dabei in dein Auge fällt, ist 2,5 Millionen Jahre alt. Es startete, als unsere Vorfahren gerade anfingen, Steinwerkzeuge zu benutzen. Wer sehr gute Augen und einen sehr dunklen Himmel hat, schafft angeblich sogar die Dreiecksnebel-Galaxie M33 in rund 2,7 bis 2,9 Millionen Lichtjahren Entfernung. Sicher ist das aber nicht bei jedem.
Und zum Schluss noch eine Rechnung, die alles ins Verhältnis rückt. Die Milchstraße enthält nach Schätzungen 100 bis 400 Milliarden Sterne. Wenn du 2.500 davon siehst, dann kommen auf jeden sichtbaren Stern rund 80 Millionen, die du nie zu Gesicht bekommst. Der Sternenhimmel, den du kennst, ist also nicht die Galaxie. Er ist die allererste Reihe.
Wie viele Sterne kann man mit bloßem Auge sehen?▾
Unter einem dunklen Himmel siehst du rund 2.000 bis 2.500 Sterne gleichzeitig. Am gesamten Himmel gibt es 9.096 Sterne, die hell genug für das bloße Auge sind.
Wie viele Sterne sieht man in der Stadt?▾
In einer Großstadt oft weniger als 100. In hell beleuchteten Innenstädten bleiben nur ein paar Dutzend der allerhellsten Sterne übrig.
Was bedeutet Magnitude 6,5?▾
Magnitude ist die Helligkeitsskala für Sterne. Je kleiner die Zahl, desto heller. 6,5 gilt als Grenze des bloßen Auges. Je nach Person liegt die Grenze zwischen 4,5 und 8.
Wie lange brauchen die Augen, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen?▾
Die Zapfen stellen sich nach 5 bis 8 Minuten um, die Stäbchen brauchen 20 bis 30 Minuten oder länger. Deshalb siehst du nach einer halben Stunde deutlich mehr Sterne als am Anfang.
Was ist das am weitesten entfernte Objekt, das man ohne Teleskop sehen kann?▾
Die Andromeda-Galaxie in rund 2,5 Millionen Lichtjahren Entfernung. Bei sehr guten Bedingungen berichten manche Beobachter auch von der Galaxie M33 in etwa 2,7 bis 2,9 Millionen Lichtjahren.
Warum sieht man Proxima Centauri nicht?▾
Proxima Centauri ist zwar der nächste Stern nach der Sonne, aber ein Roter Zwerg mit Magnitude 11,05. Das ist rund hundertmal zu dunkel für unsere Augen.
Wie viele Sterne hat die Milchstraße?▾
Schätzungen liegen zwischen 100 und 400 Milliarden Sternen. Genau zählen kann man sie nicht, weil wir mitten in der Galaxie sitzen.
Merksatz: Der Sternenhimmel ist viel kleiner, als er sich anfühlt, und trotzdem viel größer, als du je sehen wirst. Wenn dich solche Zahlen packen, lies auch, wie weit der Mond entfernt ist und wie heiß die Sonne wirklich ist. Und dann teste dein Bauchgefühl bei unseren Schätzfragen zur Wissenschaft.
Autor:in
Leon EikmeierChefredakteur
Leon Eikmeier ist Gründer von Quiztimate und MetaOne. Er schreibt über kontraintuitive Fakten, Wissen und die Psychologie des Lernens.