Wissenschaft

Wie schnell dreht sich die Erde wirklich?

·5 Min. Lesezeit·Leon Eikmeier

Wie schnell dreht sich die Erde? Wenn du gerade ruhig auf dem Sofa sitzt, lautet die ehrliche Antwort: Du rast. Am Äquator drehst du dich mit rund 1.674 Kilometern pro Stunde. Das ist schneller als der Schall und fast doppelt so schnell wie ein Passagierflugzeug. Trotzdem wackelt dein Kaffee nicht. Und es kommt noch besser: Wie schnell du unterwegs bist, hängt davon ab, wo du stehst. Am Nordpol stehst du fast still. Wir zeigen dir, wie schnell die Erde wirklich dreht, warum du nichts davon merkst und warum ein Tag in Wahrheit keine 24 Stunden hat.

Wie schnell dreht sich die Erde am Äquator?

Die Erde dreht sich am Äquator mit rund 1.674 Kilometern pro Stunde. Dahinter steckt einfache Mathematik: Der Äquator ist etwa 40.075 Kilometer lang, und die Erde braucht knapp 24 Stunden für eine volle Drehung. Zur Einordnung: Schall ist auf Meereshöhe mit 1.235 km/h unterwegs. Du bist also schneller als dein eigenes Echo.

Ein Verkehrsflugzeug fliegt mit ungefähr 900 km/h. Der Boden unter dir dreht sich fast doppelt so schnell. Selbst der schnellste Zug der Welt wirkt gegen die Erdrotation wie ein Fahrrad.

Die Raumfahrt nutzt diesen Schwung aus. Wer am Äquator nach Osten startet, bekommt rund 465 Meter pro Sekunde geschenkt und spart Treibstoff. Genau deshalb liegt Europas Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guayana, nur gut fünf Grad vom Äquator entfernt.

Warum du am Nordpol praktisch stillstehst

Die 1.674 km/h gelten nur am Äquator. Je weiter du nach Norden oder Süden gehst, desto kleiner wird der Kreis, den du an einem Tag zurücklegst. Der Boden dreht sich überall in 24 Stunden einmal herum. Aber am Äquator sind das 40.075 Kilometer, am Pol sind es null.

Konkret sieht das so aus: Auf 30 Grad Breite, ungefähr auf Höhe von Kairo, bist du mit rund 1.450 km/h unterwegs. In Berlin auf 52,5 Grad sind es noch etwa 1.020 km/h. Auf 60 Grad, also grob auf Höhe von Oslo, bleiben 837 km/h. Und genau am Nordpol? Da drehst du dich in 24 Stunden einmal um dich selbst. Mehr passiert nicht.

Wusstest du schon?

Am Äquator bewegst du dich mit rund 1.674 km/h, schneller als der Schall. Am Nordpol stehst du dabei praktisch still. Beide Punkte gehören zur selben Erde und zur selben Umdrehung.

Warum spürst du die 1.674 km/h nicht?

Weil dein Körper keine Geschwindigkeit spürt, sondern nur Änderungen. In einem ruhigen Flugzeug bei 900 km/h kannst du dir einen Kaffee eingießen, ohne dass etwas passiert. Erst beim Start oder in Turbulenzen merkst du etwas. Die Erde dreht sich seit Milliarden Jahren fast gleichmäßig. Es gibt kein Gasgeben und kein Bremsen.

Dazu kommt die Luft. Die Atmosphäre dreht sich mit. Zwischen dir und der Luft um dich herum gibt es keinen Geschwindigkeitsunterschied, also auch keinen Fahrtwind. Würde die Luft stehen bleiben, während die Erde weiterdreht, hättest du am Äquator Dauersturm mit über 1.600 km/h.

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Ein Tag dauert keine 24 Stunden

Für eine volle Drehung um die eigene Achse braucht die Erde 23 Stunden, 56 Minuten und 4 Sekunden. Das nennt man Sterntag. Die fehlenden knapp vier Minuten haben mit der Sonne zu tun.

Während die Erde sich dreht, fliegt sie gleichzeitig um die Sonne. Nach einer vollen Drehung zeigt dein Wohnort deshalb noch nicht wieder genau zur Sonne. Die Erde muss ein kleines Stück nachdrehen. Erst dann ist Mittag wieder Mittag. Diese knapp vier Minuten sind der Unterschied zwischen Sterntag und Sonnentag.

Die Erde wird langsamer, dreht aber gerade schneller

Langfristig bremst der Mond die Erde ab. Ebbe und Flut zerren an der Erdkruste, das kostet Energie. Der Tag wird dadurch etwa 1,8 Millisekunden pro Jahrhundert länger. Gleichzeitig entfernt sich der Mond um rund 3,8 Zentimeter pro Jahr von uns.

Das klingt nach nichts, summiert sich aber gewaltig. Vor 1,4 Milliarden Jahren dauerte ein Tag laut einer Studie im Fachjournal PNAS nur etwa 18,7 Stunden. Der Mond war damals rund 341.000 Kilometer entfernt, heute sind es im Mittel 384.400 Kilometer.

Plot Twist: Seit 2020 dreht sich die Erde wieder schneller. Der kürzeste je gemessene Tag war der 5. Juli 2024, er war rund 1,66 Millisekunden kürzer als 24 Stunden. Warum, weiß bisher niemand genau. Wenn das so weitergeht, müssten die Zeitwächter irgendwann eine Schaltsekunde streichen statt eine einzufügen.

Du bewegst dich noch viel schneller, als du denkst

Die Erdrotation ist nur der langsamste Teil. Die Erde fliegt mit rund 107.000 km/h um die Sonne, das sind etwa 30 Kilometer pro Sekunde. In der Zeit, in der du diesen Satz liest, bist du ein paar hundert Kilometer weiter.

Und das ganze Sonnensystem kreist um das Zentrum der Milchstraße, mit rund 828.000 km/h. Für eine Runde braucht es ungefähr 230 Millionen Jahre. Beim letzten Mal, als wir an dieser Stelle waren, liefen die allerersten Dinosaurier über die Erde.

Plot Twist:

Rechne zusammen: 1.674 km/h Erdrotation, 107.000 km/h um die Sonne, 828.000 km/h um das Zentrum der Milchstraße. Du sitzt still und bist trotzdem grob 250 Kilometer pro Sekunde unterwegs.

Wie schnell dreht sich die Erde am Äquator?

Rund 1.674 Kilometer pro Stunde. Der Äquator ist etwa 40.075 Kilometer lang, und die Erde braucht knapp 24 Stunden für eine Umdrehung. Damit bist du am Äquator schneller unterwegs als der Schall, der auf Meereshöhe 1.235 km/h schafft.

Wie schnell dreht sich die Erde in Deutschland?

In Berlin auf etwa 52,5 Grad nördlicher Breite sind es rund 1.020 km/h. Je weiter nördlich du wohnst, desto langsamer wird es. In Flensburg drehst du dich also etwas gemächlicher als in München.

Warum spüren wir die Erdrotation nicht?

Weil die Geschwindigkeit fast konstant bleibt und die Atmosphäre mitdreht. Der Körper nimmt nur Beschleunigung wahr, keine gleichmäßige Bewegung. Zwischen dir und der Luft gibt es keinen Unterschied, deshalb spürst du auch keinen Fahrtwind.

Wie lange dauert eine Erdumdrehung genau?

23 Stunden, 56 Minuten und 4 Sekunden. Das ist der Sterntag. Der Sonnentag mit 24 Stunden ist etwas länger, weil die Erde sich zusätzlich um die Sonne bewegt und ein kleines Stück nachdrehen muss.

Wird die Erde langsamer?

Langfristig ja. Durch die Gezeitenreibung mit dem Mond wird der Tag etwa 1,8 Millisekunden pro Jahrhundert länger. Kurzfristig dreht die Erde seit 2020 aber wieder schneller. Der kürzeste gemessene Tag war der 5. Juli 2024.

Wie schnell bewegt sich die Erde um die Sonne?

Mit rund 107.000 Kilometern pro Stunde, also etwa 30 Kilometern pro Sekunde. Eine volle Runde dauert ein Jahr. Dazu kommt die Bewegung des ganzen Sonnensystems um das Zentrum der Milchstraße mit rund 828.000 km/h.

Was würde passieren, wenn die Erde stehen bleibt?

Die Atmosphäre würde erst einmal weiterlaufen. Am Äquator gäbe es Winde von über 1.600 km/h. Außerdem würde ein Tag ein ganzes Jahr dauern, mit einem halben Jahr Sonne und einem halben Jahr Dunkelheit.

Die Erde dreht sich gleichmäßig, aber deine Geschwindigkeit hängt davon ab, wo du stehst. Am Äquator bist du schneller als der Schall, am Pol stehst du fast still. Wenn du Lust auf mehr Zahlen hast, die sich falsch anfühlen: Schau dir an, wie alt die Erde wirklich ist. Und danach: Wissenschafts-Schätzfragen bei Quiztimate spielen und selbst raten.

Autor:in

Leon Eikmeier

Chefredakteur

Leon Eikmeier ist Gründer von Quiztimate und MetaOne. Er schreibt über kontraintuitive Fakten, Wissen und die Psychologie des Lernens.