Wie tief ist das Meer wirklich? Tiefer als jeder Berg hoch ist
Wie tief ist das Meer wirklich? An der tiefsten Stelle rund 10.935 Meter. Das ist eine Zahl, die schwer vorstellbar ist. Probier es so: Stell dir den Mount Everest vor, den höchsten Berg der Welt. Jetzt kipp ihn auf den Kopf und stell ihn an die tiefste Stelle des Meeres. Die Spitze würde nicht aus dem Wasser ragen. Über dem Gipfel wären immer noch zwei Kilometer Wasser. Das ist der Marianengraben im Pazifik. Wir zeigen dir, wie tief das Meer wirklich ist, wie heftig der Druck dort unten wird und warum mehr Menschen auf dem Mond waren als an der tiefsten Stelle der Erde.
Wie tief ist das Meer an der tiefsten Stelle?
Die tiefste bekannte Stelle im Meer heißt Challenger Deep. Sie liegt im Marianengraben, einer langen Rinne im Pazifik östlich der Marianen-Inseln. Eine Messung mit einem U-Boot aus dem Jahr 2020 hat dort eine Tiefe von 10.935 Metern ergeben. Andere Messungen kamen auf Werte bis zu 10.984 Metern. Sicher ist: Es geht über zehneinhalb Kilometer nach unten. Zur Einordnung: Ein Verkehrsflugzeug fliegt in etwa 11 Kilometern Höhe. Das Meer ist an dieser Stelle also fast so tief, wie ein Flugzeug hoch fliegt.
Im Schnitt ist das Meer aber nicht so tief. Die durchschnittliche Tiefe aller Ozeane liegt bei rund 3.682 Metern. Das ist immer noch viel. Aber der Marianengraben ist eine Ausnahme: Er ist 2.550 Kilometer lang und an manchen Stellen 69 Kilometer breit. Eine echte Narbe im Meeresboden.
Mount Everest passt rein. Mit Platz nach oben.
Der Mount Everest ist 8.848,86 Meter hoch. Aufgerundet 8.849 Meter. Wenn du ihn von der Wasseroberfläche aus in den Marianengraben fallen lassen würdest, wäre die Spitze des Berges noch über 2.000 Meter unter Wasser. Du müsstest also einen zweiten Mount Blanc draufstapeln, damit es bis zur Oberfläche reicht. Plot Twist: Der höchste Berg der Welt ist kürzer als das tiefste Loch im Meer.
Und das, obwohl der Everest auf einem Hochplateau steht. Wenn du Berge und Gräben fair vergleichst, gewinnt das Meer. Klar. Es geht eben einfach noch tiefer.
Warum der Druck dort unten alles zerquetscht
Wasser ist schwer. Je mehr davon über dir liegt, desto stärker drückt es nach unten. Im Marianengraben sind das fast 11 Kilometer Wasser. Der Druck dort ist etwa 1.127 bar. Auf der Erde, an der Luft, sind es rund 1 bar. Wir reden also vom 1.100-fachen des normalen Luftdrucks.
Was heißt das in echt? Eine Styropor-Tasse, die in dieser Tiefe an einem U-Boot mitfährt, schrumpft auf die Größe eines Fingerhuts. Glas zerspringt. Stahl muss sehr dick sein, um nicht einzudrücken. Trotzdem leben dort unten Tiere: Fische, Garnelen, Quallen und winzige Kleinstlebewesen. Sie sind an den Druck angepasst, weil ihr Körper innen genauso stark drückt wie außen.
Mehr Menschen waren auf dem Mond als an der tiefsten Stelle
Das ist die Zahl, die viele überrascht: Nur etwa 27 Menschen haben den Boden des Challenger Deep erreicht. Auf dem Mond waren es zwölf, die wirklich gelaufen sind. Aber 24 Menschen sind insgesamt zum Mond geflogen, sechs davon zur Mondumrundung ohne Landung. Lange galt: Mehr Menschen sind in der Mondumlaufbahn gewesen als am tiefsten Punkt der Erde. Erst seit kurzem haben mehr Menschen Challenger Deep besucht als auf dem Mond gestanden haben.
Der bekannteste Tauchgang: Filmregisseur James Cameron, der 2012 als erster Mensch alleine in einem U-Boot zum Grund des Marianengrabens fuhr. Er erreichte 10.908 Meter und blieb rund vier Stunden am Boden. Sein U-Boot hieß Deepsea Challenger. Davor waren in den 1960er Jahren schon zwei Männer dort, in den 2010ern dann mehrere Forscher und Milliardäre. Der Investor Victor Vescovo war alleine 15 Mal unten.
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Wir wissen mehr über den Mond als über den Meeresboden
Das klingt verrückt, ist aber wahr. Der Mond ist komplett kartiert. Vom Meeresboden kennen wir aktuell nur etwa 26 Prozent in hoher Auflösung (Stand 2024). Der Rest ist eine Schätzung aus Satellitendaten. Das heißt: Drei Viertel des Bodens unter den Ozeanen kennen wir nicht im Detail.
Der Grund ist einfach: Licht kommt nicht weit ins Wasser. Funkwellen auch nicht. Wer Tiefe messen will, braucht Sonar oder ein U-Boot. Beides ist teuer und langsam. Es ist leichter, ein Teleskop auf den Mars zu richten als 11 Kilometer Wasser durchzuleuchten. Der tiefste Punkt der Erde liegt direkt unter uns, aber er ist schwerer zu erreichen als der Weltraum.
Wenn dich das Thema Größenverhältnisse fasziniert: Lies auch unseren Post zu wie hoch der höchste Berg der Welt wirklich ist. Kleiner Spoiler: Auf den Everest schaut man falsch.
Wie tief ist das Meer an der tiefsten Stelle?▾
Die tiefste Stelle im Meer ist der Challenger Deep im Marianengraben. Eine genaue Messung aus dem Jahr 2020 ergab 10.935 Meter Tiefe. Ältere Messungen liegen bei bis zu 10.984 Metern. Damit ist diese Stelle tiefer als der Mount Everest hoch ist.
Wie tief ist das Meer im Schnitt?▾
Die durchschnittliche Tiefe aller Ozeane beträgt rund 3.682 Meter. Das entspricht etwa der Höhe der höchsten Alpen-Gipfel. Fast die Hälfte aller Meeresgebiete sind tiefer als 3.000 Meter. Flach ist das Meer also nur in Küstennähe.
Wo liegt der Marianengraben?▾
Der Marianengraben liegt im westlichen Pazifik, östlich der Marianen-Inseln und etwa 400 Kilometer südwestlich von Guam. Er ist ungefähr 2.550 Kilometer lang und 69 Kilometer breit. Die tiefste Stelle, der Challenger Deep, liegt am südlichen Ende des Grabens.
Wie viel Druck herrscht im Marianengraben?▾
Der Wasserdruck am Boden des Marianengrabens beträgt etwa 1.127 bar. Das ist über 1.100 Mal mehr als der normale Luftdruck an der Wasseroberfläche. Auf jeden Quadratzentimeter drücken über eine Tonne. Ein Mensch ohne Schutzanzug würde sofort zerdrückt.
Wer war zuerst im Marianengraben?▾
Die ersten Menschen am Grund des Marianengrabens waren Jacques Piccard und Don Walsh im Jahr 1960 mit dem Tauchboot Trieste. James Cameron tauchte 2012 als erster Mensch alleine dorthin. Insgesamt haben rund 27 Menschen den Boden erreicht.
Würde der Mount Everest in den Marianengraben passen?▾
Ja. Der Mount Everest ist 8.849 Meter hoch. Der Marianengraben ist 10.935 Meter tief. Wenn du den Berg an dieser Stelle versenken würdest, wäre der Gipfel noch über 2.000 Meter unter Wasser. Du bräuchtest noch einen zweiten Berg von 2 Kilometern Höhe drauf, um an die Oberfläche zu kommen.
Wie viel vom Meeresboden ist bekannt?▾
Stand 2024 sind nur etwa 26 Prozent des Meeresbodens in hoher Auflösung kartiert. Drei Viertel des Bodens unter den Ozeanen kennen wir bisher nur grob. Der Mond ist komplett kartiert, der Meeresboden nicht. Tiefe zu messen ist im Wasser viel schwieriger als im Vakuum.
Das Meer ist tiefer, als unsere Vorstellung mitkommt. Tiefer als der höchste Berg, dunkler als jede Höhle, kälter als jeder Winter. Und wir kennen erst ein Viertel davon. Mehr Geografie-Aha-Momente findest du in unseren Geografie-Schätzfragen.
Autor:in
Leon EikmeierChefredakteur
Leon Eikmeier ist Gründer von Quiztimate und MetaOne. Er schreibt über kontraintuitive Fakten, Wissen und die Psychologie des Lernens.