Geografie

Welcher Berg ist wirklich der höchste der Welt?

·4 Min. Lesezeit·Leon Eikmeier

Frag zehn Leute, was der höchste Berg der Welt ist. Neun sagen: Mount Everest. Spoiler: die Antwort stimmt nur, wenn du vom Meeresspiegel aus misst. Wenn du vom Fuß des Bergs misst, ist der Mauna Kea auf Hawaii über 1.300 Meter höher. Und wenn du vom Erdmittelpunkt misst, ragt der Chimborazo in Ecuador am weitesten ins All hinaus. Drei Berge, drei Antworten. Wir zeigen dir, warum der Everest eigentlich nur einen von drei Höhenrekorden hält.

Die einfache Antwort: Mount Everest

Der Mount Everest ist 8.848,86 Meter hoch. Das ist seine Höhe über dem Meeresspiegel, offiziell bestätigt 2020 durch eine gemeinsame Vermessung von Nepal und China. In jedem Schulatlas steht deshalb: Everest ist der höchste Berg der Welt.

Der Everest liegt im Himalaya an der Grenze zwischen Nepal und China. Er ist Teil des Gebirges, das entstand, als die indische Kontinentalplatte vor rund 50 Millionen Jahren mit der eurasischen kollidierte. Und er wächst immer noch, rund vier Millimeter pro Jahr, weil die Plattenkollision weiterläuft.

Aber „Höhe über dem Meeresspiegel" ist nur eine von mehreren Messmethoden. Und genau da wird es spannend.

Warum ist das nicht die ganze Wahrheit?

Wenn du einen Berg misst, kannst du drei Dinge tun: die Höhe vom Meeresspiegel nehmen, die Höhe vom Fuß des Bergs, oder die Entfernung vom Erdmittelpunkt. Jede Methode liefert ein anderes Ergebnis. Und zwar nicht nur um ein paar Meter, sondern um tausende.

Die Meeresspiegel-Methode ist die Standardantwort. Aber sie ist willkürlich: wenn der Fuß eines Bergs tief unter Wasser liegt, wird dieser Teil einfach ignoriert. Und sie berücksichtigt nicht, dass die Erde keine perfekte Kugel ist, sondern am Äquator rund 21 Kilometer weiter ausgebeult ist als an den Polen.

Wusstest du schon?

Wenn du den Mauna Kea vom Meeresboden aus misst, ist er rund 10.200 Meter hoch. Das sind über 1.300 Meter mehr als der Mount Everest. Der größte Teil des Bergs steckt einfach unter Wasser.

Mauna Kea: der höchste Berg, wenn du vom Fuß misst

Der Mauna Kea ist ein erloschener Vulkan auf Hawaii. Von der Straße aus sieht er unspektakulär aus: ein runder Gipfel, 4.207 Meter hoch. Das ist weniger als die Hälfte vom Everest. Aber: der Mauna Kea beginnt nicht auf Meereshöhe. Er beginnt rund 6.000 Meter tiefer, am Grund des Pazifiks.

Vom Fuß bis zum Gipfel ist der Mauna Kea rund 10.200 Meter hoch. Das ist die wahre Größe des Bergs, wenn du ihn als Ganzes betrachtest. Zum Vergleich: der tiefste Punkt im Ozean, der Marianengraben, ist rund 10.935 Meter tief. Der Mauna Kea hat also fast die Dimension, die ein kompletter Marianengraben an Tiefe hat.

Auf dem Gipfel stehen übrigens einige der wichtigsten Observatorien der Welt. Die Luft ist dünn, trocken und dunkel. Bessere Bedingungen für Astronomie gibt es kaum.

Chimborazo: der Punkt, der am weitesten ins All ragt

Der Chimborazo ist ein Vulkan in Ecuador. Seine Höhe über dem Meeresspiegel ist 6.263 Meter. Klingt weniger spektakulär als der Everest. Aber: die Erde ist keine perfekte Kugel. Wegen der Rotation ist sie am Äquator ausgebeult, und am Äquator bekommt man den längsten Abstand zum Erdmittelpunkt.

Der Chimborazo liegt nur rund ein Grad südlich vom Äquator. Sein Gipfel ist deshalb rund 6.384,4 Kilometer vom Erdmittelpunkt entfernt. Der Gipfel vom Mount Everest liegt dagegen nur rund 6.382,3 Kilometer weit. Die Differenz ist rund 2.100 Meter.

Heißt: wenn du den Punkt auf der Erde suchst, der am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt ist und damit am nächsten am Weltall, ist es nicht der Everest. Es ist der Gipfel vom Chimborazo in Ecuador.

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So vergleichen sich die drei Berge

Hier eine Übersicht, welcher Berg welchen Rekord hält:

  • Mount Everest: 8.848,86 m über dem Meeresspiegel, der höchste Gipfel bei der Standard-Messmethode.
  • Mauna Kea: rund 10.200 m vom Fuß bis zum Gipfel, der höchste Berg wenn du den ganzen Berg zählst.
  • Chimborazo: rund 6.384,4 km vom Erdmittelpunkt, der am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernte Punkt, obwohl sein Gipfel nur 6.263 m über dem Meeresspiegel liegt.

Drei Berge. Drei verschiedene Rekorde. Und alle drei sind legitime Antworten auf die Frage „Welcher Berg ist der höchste?".

Welcher Berg ist wirklich der höchste der Welt?

Kommt auf die Messmethode an. Vom Meeresspiegel gemessen ist es der Mount Everest mit 8.848,86 Metern. Vom Fuß des Bergs gemessen ist es der Mauna Kea auf Hawaii mit rund 10.200 Metern. Vom Erdmittelpunkt gemessen ist es der Chimborazo in Ecuador.

Wie hoch ist der Mauna Kea vom Meeresboden aus?

Rund 10.200 Meter. Der Berg beginnt rund 6.000 Meter unter dem Meeresspiegel und ragt dann noch 4.207 Meter darüber hinaus. Damit ist er der höchste Berg der Welt, wenn du den ganzen Berg vom Fuß bis zum Gipfel misst.

Warum ist der Chimborazo weiter vom Erdmittelpunkt entfernt als der Everest?

Die Erde ist keine perfekte Kugel. Durch ihre Rotation ist sie am Äquator ausgebeult und an den Polen abgeflacht. Der Chimborazo liegt nah am Äquator, der Everest deutlich nördlicher. Deshalb ist der Chimborazo-Gipfel rund 2.100 Meter weiter vom Erdmittelpunkt entfernt.

Wächst der Mount Everest noch?

Ja. Die indische Kontinentalplatte schiebt sich weiter gegen die eurasische Platte. Der Everest wird dadurch rund vier Millimeter pro Jahr höher. Gleichzeitig wird er durch Erosion kleiner. Unterm Strich bleibt er am Wachsen.

Wie groß ist der Unterschied zwischen Mauna Kea und Everest vom Fuß gemessen?

Der Mauna Kea ist rund 10.200 Meter hoch vom Meeresboden. Der Everest ist 8.848,86 Meter hoch vom Meeresspiegel, aber sein Fuß liegt auf einem Plateau, das schon rund 5.200 Meter hoch ist. Der Everest selbst ist deshalb vom Fuß gemessen nur rund 3.600 Meter hoch.

Was ist der tiefste Punkt der Erde?

Der Marianengraben im Pazifik. Seine tiefste Stelle, das Challenger-Tief, liegt rund 10.935 Meter unter dem Meeresspiegel. Das ist mehr als der Mount Everest hoch ist. Wenn du den Everest in den Marianengraben stecken würdest, wäre sein Gipfel noch über 2 Kilometer unter Wasser.

Welcher Berg ist der schwierigste zu besteigen?

Technisch gesehen ist der K2 im Karakorum der schwierigste Achttausender. Er ist mit 8.611 Metern der zweithöchste Berg der Welt, hat aber viel steilere Flanken und schlechteres Wetter als der Everest. Auf den K2 sind weniger Menschen gestiegen als auf den Everest.

Also: welcher Berg ist der höchste? Everest, Mauna Kea oder Chimborazo, alle drei sind richtig, je nachdem wie du misst. Wenn du beim nächsten Mal im Quiz die Frage siehst, denk an die drei Methoden. Wenn du Lust auf mehr solcher Geografie-Fakten hast, schau bei Wie groß ist Grönland wirklich? und Die höchsten Bauwerke der Menschheit vorbei. Oder spring direkt in unser Geografie-Quiz.

Autor:in

Leon Eikmeier

Chefredakteur

Leon Eikmeier ist Gründer von Quiztimate und MetaOne. Er schreibt über kontraintuitive Fakten, Wissen und die Psychologie des Lernens.