Geschichte

Wie lange dauerte das Römische Reich wirklich?

·5 Min. Lesezeit·Leon Eikmeier

Wie lange dauerte das Römische Reich wirklich? In der Schule lernst du oft eine einfache Antwort: 27 vor Christus bis 476 nach Christus. Macht etwa 500 Jahre. Klingt rund, ist aber falsch. Spoiler: das oströmische Reich lebte noch fast 1.000 Jahre weiter, bis 1453. Rechnest du das mit, kommst du auf rund 1.480 Jahre. Und wenn du die Republik vor Augustus dazuzählst, sind es fast 2.000 Jahre Rom. Wir zeigen dir, warum die Schulantwort nur die halbe Geschichte ist und welches Datum am Ende wirklich zählt.

Die Schulantwort: 500 Jahre Römisches Reich

Die klassische Antwort startet am 16. Januar 27 vor Christus. An diesem Tag gab der römische Senat Octavian den Titel Augustus. Damit war er der erste römische Kaiser. Vorher war Rom eine Republik mit zwei gewählten Konsuln pro Jahr. Mit Augustus begann das Kaiserreich.

Das Ende setzt die Schulantwort auf den 4. September 476. An diesem Tag setzte der Heerführer Odoaker den letzten weströmischen Kaiser ab. Er hieß Romulus Augustulus und war noch ein Teenager. Odoaker schickte ihn in Pension nach Süditalien. Damit war Westrom vorbei.

Von 27 v. Chr. bis 476 n. Chr. sind es 503 Jahre. Das ist die Zahl, die in den meisten Schulbüchern steht. Aber sie ignoriert die zweite Hälfte des Reichs.

Wie lange dauerte das Römische Reich wirklich?

Wirklich vorbei war Rom erst am 29. Mai 1453. An diesem Tag eroberte der osmanische Sultan Mehmed II. Konstantinopel. Das war die Hauptstadt des oströmischen Reichs, oft Byzantinisches Reich genannt. Der letzte Kaiser hieß Konstantin XI. und starb in der Schlacht. Erst da endete der römische Staat endgültig.

Rechnest du von 27 v. Chr. bis 1453 n. Chr., kommst du auf 1.480 Jahre. Das ist fast dreimal so lang wie die Schulantwort. Die Byzantiner nannten sich übrigens selbst nie Byzantiner. Sie sagten Rhomaioi. Das heißt: Römer. Für sie war das Reich nie weg, es war einfach umgezogen.

Wusstest du schon?

Das Römische Reich überlebte die berühmte Plünderung Roms (410 n. Chr.) um über 1.000 Jahre. In Konstantinopel sprach man bis 1453 Griechisch und nannte sich selbst Römer.

Mit Republik gerechnet: fast 2.000 Jahre Rom

Vor dem Kaiserreich gab es die Römische Republik. Sie startete laut Tradition 509 v. Chr., als die Römer den letzten König Tarquinius Superbus rauswarfen. Ab da regierten zwei Konsuln, gewählt vom Volk. Diese Republik dauerte 482 Jahre, bis Augustus 27 v. Chr. das Kaiserreich gründete.

Zählst du Republik plus Kaiserreich plus Byzanz zusammen, kommst du auf 1.962 Jahre Rom. Von 509 v. Chr. bis 1453 n. Chr. Das ist fast doppelt so lang wie das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Und länger als die Zeit, die seit Christi Geburt vergangen ist.

Wenn du sogar bis zur sagenhaften Stadtgründung 753 v. Chr. zurückrechnest, sind es über 2.200 Jahre. Aber Vorsicht: für die ersten 244 Jahre regierten Könige, kein Republik- oder Kaiserstaat. Das ist eine andere Schublade.

Warum 476 trotzdem ein wichtiges Datum ist

Auch wenn 476 nicht das Ende von Rom war, ist das Jahr trotzdem wichtig. Es markiert das Ende der römischen Verwaltung in Westeuropa. Straßen, Aquädukte und Latein als Amtssprache verschwanden langsam. Spanien, Frankreich, Britannien und Italien wurden zu Königreichen der Goten, Franken und Langobarden.

Manche Historiker streiten sogar, ob 476 wirklich so wichtig war. Odoaker regierte Italien danach im Auftrag des oströmischen Kaisers. Auf dem Papier war Rom also nicht weg. Auf der Straße schon.

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Das Heilige Römische Reich: ein dritter Anwärter

Es gibt noch einen Kandidaten. Im Jahr 800 krönte der Papst Karl den Großen zum Kaiser. Damit beanspruchte er das römische Erbe. Daraus wurde das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Dieses Reich existierte offiziell bis zum 6. August 1806. An diesem Tag dankte Kaiser Franz II. ab, weil Napoleon ihm den Titel streitig machen wollte.

Wenn du dieses Reich mitzählst, dauerte die Idee Rom über 2.500 Jahre. Aber: das Heilige Römische Reich war nie wirklich Rom. Voltaire schrieb dazu: weder heilig, noch römisch, noch ein Reich. Es war ein deutsch-mitteleuropäisches Gebilde mit Anspruch auf den Namen.

So groß war Rom zur Hochzeit

Die größte Ausdehnung erreichte das Reich unter Kaiser Trajan im Jahr 117 n. Chr. Damals umfasste Rom rund 5 Millionen Quadratkilometer. Zur Einordnung: das ist 14 Mal die Fläche von Deutschland und größer als die heutige EU. Das Reich reichte vom Hadrianswall in Schottland bis zum Persischen Golf, von Marokko bis ans Schwarze Meer.

Schon Hadrian, Trajans Nachfolger, gab Teile davon wieder auf. Zu groß, zu teuer, zu schwer zu halten. Ab da schrumpfte das Reich langsam, aber stetig. Trotzdem dauerte es noch 1.336 Jahre, bis Konstantinopel fiel.

Wie lange dauerte das Römische Reich insgesamt?

Wenn du nur das weströmische Kaiserreich zählst, sind es 503 Jahre (27 v. Chr. bis 476 n. Chr.). Mit dem oströmischen Reich kommst du auf 1.480 Jahre, bis Konstantinopel 1453 fiel. Mit der Republik dazu ergeben sich rund 1.962 Jahre Rom als Staat.

Wann begann das Römische Reich?

Das Kaiserreich begann am 16. Januar 27 v. Chr. An diesem Tag gab der römische Senat Octavian den Titel Augustus. Vorher war Rom eine Republik, gegründet 509 v. Chr. nach dem Sturz des letzten Königs Tarquinius Superbus.

Wann endete das Römische Reich?

Es kommt drauf an. Das weströmische Reich endete am 4. September 476 mit der Absetzung von Romulus Augustulus. Das oströmische Reich, auch Byzanz genannt, endete am 29. Mai 1453 mit der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen.

Was ist der Unterschied zwischen Westrom und Ostrom?

Kaiser Diokletian teilte das Reich 285 n. Chr. in zwei Hälften, weil es zu groß für einen Herrscher war. Westrom hatte Hauptstädte wie Rom und Ravenna und fiel 476. Ostrom regierte von Konstantinopel aus, sprach Griechisch und überlebte fast 1.000 Jahre länger.

Warum lernen wir nur die 500-Jahre-Antwort in der Schule?

Weil westeuropäische Geschichtsbücher den Fokus auf Westrom legen. Das oströmische Reich wirkt aus westlicher Sicht wie eine andere Geschichte, war aber für die Byzantiner einfach die Fortsetzung Roms. Sie nannten sich selbst bis 1453 Römer.

Wie groß war das Römische Reich auf dem Höhepunkt?

Unter Kaiser Trajan im Jahr 117 n. Chr. umfasste Rom rund 5 Millionen Quadratkilometer. Das ist etwa 14 Mal die Fläche von Deutschland. Das Reich reichte von Schottland bis zum Persischen Golf und von Marokko bis ans Schwarze Meer.

Hat das Heilige Römische Reich etwas mit dem antiken Rom zu tun?

Nur dem Namen nach. Das Heilige Römische Reich entstand 800 mit der Krönung Karls des Großen und dauerte bis 1806. Es beanspruchte das römische Erbe, war aber ein deutsch-mitteleuropäisches Reich. Voltaire spottete: weder heilig, noch römisch, noch ein Reich.

Take-away: Rom dauerte nicht 500 Jahre, sondern 1.480. Mit Republik fast 2.000. Die Schulantwort ist nicht falsch, nur unvollständig. Wenn du dein Geschichtswissen testen willst, probier unsere Geschichts-Schätzfragen. Oder lies, wie hoch die höchsten Bauwerke der Menschheit wirklich sind. Spoiler: ein paar davon hätten in Rom gut reingepasst.

Autor:in

Leon Eikmeier

Chefredakteur

Leon Eikmeier ist Gründer von Quiztimate und MetaOne. Er schreibt über kontraintuitive Fakten, Wissen und die Psychologie des Lernens.