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Wie tief ist das tiefste Loch der Welt?

·4 Min. Lesezeit·Leon Eikmeier

Das tiefste Loch der Welt ist 12.262 Meter tief. Es liegt auf der russischen Halbinsel Kola, weit hinter dem Polarkreis. 22 Jahre lang bohrten sich sowjetische Forscher dort in die Erdkruste. Dann mussten sie aufgeben, weil das Gestein zu heiß wurde. Klingt tief? Ist es auch. Das Loch reicht tiefer hinab, als der Mount Everest hoch ist. Und trotzdem hat die Menschheit damit nur an der Oberfläche gekratzt: Bis zum Erdmittelpunkt wären es noch mehr als 6.000 Kilometer. Wir zeigen dir, wie tief wir wirklich gekommen sind und was die Bohrer unten gefunden haben.

12.262 Meter: tiefer als der Marianengraben

Die Kola-Bohrung SG-3 erreichte 1989 eine Tiefe von 12.262 Metern. Sie ist bis heute das tiefste Loch, das Menschen je gebohrt haben. Zur Einordnung: Der Marianengraben, die tiefste Stelle des Ozeans, ist rund 10.900 Meter tief. Das Bohrloch reicht also über einen Kilometer tiefer hinab als der tiefste Punkt des Meeres.

Auch der höchste Berg der Welt verliert diesen Vergleich. Der Mount Everest misst 8.849 Meter. Würdest du ihn kopfüber in das Loch stellen, wären unter seinem Gipfel noch mehr als drei Kilometer Platz. Dabei ist das Loch selbst erstaunlich schmal: Am unteren Ende hat es nur etwa 23 Zentimeter Durchmesser. Das ist ungefähr so breit wie ein Essteller. Kein Mensch war je dort unten, nur der Bohrkopf.

Warum die Sowjets 22 Jahre lang bohrten

Die Bohrung startete 1970 auf der Halbinsel Kola im Nordwesten Russlands, nahe der Stadt Sapoljarny. Das Ziel war reine Forschung: Die Sowjetunion wollte wissen, wie die Erdkruste in der Tiefe aufgebaut ist. Nebenbei lief ein Wettrennen mit den USA, ähnlich wie beim Wettlauf ins All. Die Amerikaner hatten ihr eigenes Tiefbohr-Projekt allerdings schon 1966 abgebrochen. Die Sowjets bohrten weiter, Jahr für Jahr, mit Spezialgeräten, die es so nirgendwo sonst gab. 1989 erreichte der Bohrstrang die Rekordtiefe von 12.262 Metern. Geplant waren sogar 15.000 Meter. Daraus wurde nichts.

Warum bei 12 Kilometern Schluss war

Der Gegner war nicht die Technik, sondern die Hitze. Die Forscher hatten in 12 Kilometern Tiefe rund 100 Grad Celsius erwartet. Gemessen haben sie etwa 180 Grad. Bei solchen Temperaturen wird Gestein weich und verhält sich fast wie Knete. Das Loch begann, sich von selbst wieder zu schließen, sobald der Bohrer herausgezogen wurde. 1992 stoppte das Team die Bohrung endgültig. Kurz darauf brach die Sowjetunion zusammen, und das Geld für die Forschung verschwand gleich mit. Heute ist der Bohrturm abgerissen. Das tiefste Loch der Welt steckt unter einem rostigen Metalldeckel, der fest verschweißt ist.

Wusstest du schon?

Mit 12.262 Metern hat die Kola-Bohrung nur rund 0,2 Prozent der Strecke bis zum Erdmittelpunkt geschafft. Von der Sohle des Lochs wären es noch etwa 6.359 Kilometer bis zur Mitte der Erde.

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Was die Forscher unten fanden

Die Bohrung lieferte einige der größten Überraschungen der Geologie. In rund sechs Kilometern Tiefe fanden die Forscher winzige Fossilien von Meeresplankton. Schätzungen zufolge sind sie etwa zwei Milliarden Jahre alt. Außerdem stießen sie auf flüssiges Wasser in Tiefen, in denen die Lehrbücher keines vermutet hatten. Und das Bohrklein brodelte regelrecht vor Wasserstoff, so beschrieben es die Beteiligten. Nur eines fanden sie nicht: die Hölle. Eine berühmte Internet-Legende behauptet, Mikrofone hätten in der Tiefe Schreie aufgenommen. Die Geschichte ist frei erfunden. Die Tonaufnahme stammt offenbar aus einem Horrorfilm.

Und wie tief bohrt man heute?

Den Rekord für die tiefste senkrechte Bohrung hält Kola bis heute. Es gibt zwar längere Bohrungen, zum Beispiel die Ölbohrung Z-44 vor der Insel Sachalin mit 12.376 Metern Gesamtlänge. Die verläuft aber größtenteils waagerecht unter dem Meeresboden. Senkrecht nach unten kam niemand tiefer als die Sowjets. Auch Deutschland hat übrigens ein Superloch: Im bayerischen Windischeschenbach endete 1994 die Kontinentale Tiefbohrung bei 9.101 Metern. Sie ist heute das tiefste Bohrloch der Erde, das noch für Forschung genutzt wird. Zur Einordnung: Die Erdkruste ist unter den Kontinenten im Schnitt rund 35 Kilometer dick. Selbst die Rekordbohrung von Kola hat also nur etwa ein Drittel der Kruste durchstoßen. Der Erdmantel bleibt bis heute unerreicht.

Merk dir eine Zahl: 12.262 Meter, tiefer kam die Menschheit nie. Wenn dich solche Rekorde packen, lies auch, wie tief das Meer wirklich ist, oder entdecke die höchsten Bauwerke der Menschheit. Und wenn du lieber schätzt statt liest: Unsere Technologie-Quizfragen warten schon.

Wie tief ist das tiefste Loch der Welt?▾

Die Kola-Bohrung SG-3 in Russland ist 12.262 Meter tief. Sie ist seit 1989 das tiefste Loch, das Menschen je gebohrt haben.

Wo liegt das tiefste Loch der Welt?▾

Auf der Halbinsel Kola im Nordwesten Russlands, nahe der Stadt Sapoljarny hinter dem Polarkreis.

Warum wurde die Kola-Bohrung gestoppt?▾

Wegen der Hitze. In 12 Kilometern Tiefe waren es rund 180 Grad Celsius statt der erwarteten 100. Das Gestein wurde weich, und das Loch drohte sich von selbst zu schließen.

Ist das Kola-Bohrloch tiefer als der Marianengraben?▾

Ja. Der Marianengraben ist rund 10.900 Meter tief, das Kola-Bohrloch 12.262 Meter. Das Loch reicht also über einen Kilometer tiefer hinab.

Was wurde im Kola-Bohrloch gefunden?▾

Etwa zwei Milliarden Jahre alte Plankton-Fossilien, flüssiges Wasser in großer Tiefe und viel Wasserstoff. Die Legende von aufgenommenen Höllenschreien ist dagegen frei erfunden.

Wie tief ist das tiefste Bohrloch Deutschlands?▾

9.101 Meter. Die Kontinentale Tiefbohrung bei Windischeschenbach in Bayern endete 1994 und wird bis heute für Forschung genutzt.

Autor:in

Leon Eikmeier

Chefredakteur

Leon Eikmeier ist Gründer von Quiztimate und MetaOne. Er schreibt über kontraintuitive Fakten, Wissen und die Psychologie des Lernens.