Kunst

Kunst-Werke mit Milliarden-Preis: Was macht Kunst so wertvoll?

·5 Min. Lesezeit·Leon Eikmeier

Ein Gemälde für 450 Millionen Dollar klingt verrückt, bis man sieht, dass die Mona Lisa dreimal so viel wert wäre, aber gar nicht verkauft werden kann. Im Kunstmarkt zahlt man nicht für Farbe auf Leinwand, sondern für Seltenheit, für Provenienz und dafür, dass am Ende genug Milliardäre das gleiche Bild haben wollen. Hier sind die acht teuersten Gemälde der Welt, warum sie so viel kosten und warum die Mona Lisa in dieser Liste fehlt.

Die Mona Lisa fehlt, weil

Sie gehört dem französischen Staat und ist seit 1804 unverkäuflich. Die Versicherungssumme wurde 1962 bei 100 Millionen Dollar festgelegt. Inflationsbereinigt wären das heute über 950 Millionen Dollar. Ein Verkaufspreis würde wahrscheinlich über 1,5 Milliarden Dollar liegen.

1. Salvator Mundi, Leonardo da Vinci (450,3 Mio. Dollar)

2017 erzielte Salvator Mundi bei Christie’s in New York 450,3 Millionen Dollar. Das ist der höchste jemals gezahlte Preis für ein Kunstwerk. 1958 wurde das gleiche Bild für 45 Pfund verkauft, weil es als Kopie eines da-Vinci-Schülers galt. Nach einer Restaurierung 2011 wurde es als echter da Vinci anerkannt. Der Verdacht, dass es gar nicht komplett von ihm stammt, besteht bis heute. Käufer war 2017 ein Vertreter von Kronprinz Mohammed bin Salman aus Saudi-Arabien. Seit dem Kauf ist das Bild nicht mehr öffentlich zu sehen.

2. Interchange, Willem de Kooning (300 Mio. Dollar)

2015 kaufte der Hedgefonds-Milliardär Kenneth Griffin das Bild Interchange privat für 300 Millionen Dollar, zusammen mit einem Bild von Pollock für 200 Millionen. Das macht Interchange zum teuersten abstrakten Expressionismus-Gemälde und zum teuersten privat verkauften Gemälde. Griffin lieh das Bild danach dem Art Institute of Chicago als Dauerleihgabe.

3. The Card Players, Paul Cézanne (rund 250 Mio. Dollar)

Das Gemälde zeigt zwei provenzalische Bauern beim Kartenspiel und wurde 2011 privat an die königliche Familie von Katar verkauft. Der exakte Preis wurde nie bestätigt, Schätzungen reichen von 250 bis 300 Millionen Dollar. Cézanne malte insgesamt fünf Card Players-Varianten. Drei davon hängen in Museen, eine in einer Privatsammlung, und dieses eine Bild ist in Katar.

4. Nafea Faa Ipoipo, Paul Gauguin (rund 210 Mio. Dollar)

Gauguins Gemälde zweier tahitianischer Frauen wurde 2014 ebenfalls an Katar verkauft. Gauguin malte es 1892, vier Jahre vor seinem Tod. Der Titel bedeutet Wann heiratest du? Auch hier ist der genaue Preis nicht bestätigt, die Angaben schwanken zwischen 210 und 300 Millionen Dollar.

5. Number 17A, Jackson Pollock (200 Mio. Dollar)

Pollocks abstraktes Drip-Painting aus dem Jahr 1948 war Teil des gleichen Paket-Deals wie Interchange. Griffin kaufte es 2015 für 200 Millionen Dollar. Pollock malte das Bild, indem er Farbe von oben auf die Leinwand tropfen liess, ohne Pinsel zu berühren. Die Methode gilt heute als Durchbruch der modernen Kunst, damals wurde sie von Kritikern als Chaos abgetan.

6. Wasserschlangen II, Gustav Klimt (183,8 Mio. Dollar)

Klimts 1907 gemaltes Bild Wasserschlangen II wurde 2013 privat für 183,8 Millionen Dollar verkauft. Das Bild war 1938 von den Nazis beschlagnahmt worden und landete nach langem Rechtsstreit erst 2013 wieder bei der Erbenfamilie. Das führte direkt zum Verkauf. Solche Restitutionsfälle sind der Grund, warum plötzlich jahrzehntelang versteckte Gemälde in Auktionen auftauchen.

7. Les Femmes d’Alger (Version O), Pablo Picasso (179,4 Mio. Dollar)

2015 erzielte dieses Picasso-Gemälde bei Christie’s 179,4 Millionen Dollar und war damit für kurze Zeit das teuerste Auktionsbild der Welt. Picasso malte 15 Versionen zum Thema, dieses ist die letzte, Version O. Die Auktion dauerte nur 11 Minuten, dann war das Bild weg. Käufer war wiederum ein Repräsentant aus dem Nahen Osten, diesmal der ehemalige Premierminister Katars.

8. Nu Couché, Amedeo Modigliani (170,4 Mio. Dollar)

Modigliani malte nur wenige Akte, das macht jeden davon selten. 2015 bezahlte der chinesische Milliardär Liu Yiqian bei Christie’s 170,4 Millionen Dollar für Nu Couché. Er zahlte mit Kreditkarte und sammelte dabei so viele Bonusmeilen, dass er angeblich lebenslang gratis fliegen kann. Das Bild hängt heute in seinem privaten Museum in Schanghai.

Lebende Künstler

Der teuerste Auktionspreis für einen lebenden Künstler hält Jeff Koons mit seinem Edelstahl-Hasen Rabbit (1986) bei 91,1 Millionen Dollar (2019). Zuvor war David Hockney der Rekordhalter, zuvor Koons schon einmal, zuvor Jasper Johns. Der Titel wechselt alle paar Jahre.

Warum ein Gemälde 450 Millionen Dollar kostet

Seltenheit

Von da Vinci existieren nur rund 20 anerkannte Gemälde weltweit, fast alle in Museen. Der Salvator Mundi war 2017 der einzige handelbare da Vinci. Das allein rechtfertigt schon einen dreistelligen Millionenpreis, egal wie viel Farbe drauf ist.

Provenienz

Die Kette der Vorbesitzer macht bis zu 30 Prozent des Preises aus. Ein Bild, das nachweislich durch Rockefeller, Rothschild und Heinz Berggruen wanderte, erzielt mehr als ein identisches Bild mit unklarer Herkunft. Der Markt fürchtet Fälschungen und Nazi-Raubkunst, deshalb ist eine lupenreine Geschichte Geld wert.

Trophy Status

Ab einem bestimmten Preis kauft man kein Bild mehr, sondern einen Titel. Wer den einzigen handelbaren da Vinci besitzt, ist in einem Club von unter fünfzig Menschen weltweit. Dieser Status ist der eigentliche Wert. Das ist auch der Grund, warum viele Rekordbilder nach dem Kauf nie wieder ausgestellt werden: Besitz schlägt Sichtbarkeit.

Kunstmarkt in Zahlen

Der globale Kunstmarkt hat 2023 ein Volumen von rund 65 Milliarden Dollar erreicht, davon entfallen etwa 20 Prozent auf Auktionen und 80 Prozent auf Privatverkäufe. Die Top 200 Sammler weltweit besitzen geschätzt zusammen über 500 Milliarden Dollar an Kunst. Das Zentrum hat sich vom New Yorker Auktionshaus nach Hongkong und Doha verschoben: Von den zehn teuersten Verkäufen der letzten Dekade gingen fünf in den Nahen Osten oder nach Asien.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das teuerste Gemälde der Welt?

Salvator Mundi von Leonardo da Vinci, 2017 für 450,3 Millionen Dollar an Saudi-Arabien verkauft.

Wie viel ist die Mona Lisa wert?

Sie ist unverkäuflich. Die Versicherung setzt rund 1 Milliarde Dollar an, ein realer Verkauf würde wohl über 1,5 Milliarden ergeben. Sie gehört dem französischen Staat.

Warum sind Gemälde so teuer?

Drei Gründe: Seltenheit, Provenienz und Trophy Status. Wenige echte Werke des Künstlers + lupenreine Besitzerkette + Prestige im Besitz.

Wer kauft solche Gemälde?

Zunehmend Staaten oder Staatsfonds, etwa aus Saudi-Arabien und Katar, sowie amerikanische Hedgefonds-Milliardäre wie Kenneth Griffin.

Wer hält den Rekord bei lebenden Künstlern?

Jeff Koons mit Rabbit für 91,1 Millionen Dollar (2019). Der Titel wechselt aber regelmässig.

Wo hat Pollock seine Farbe getropft?

Auf den Boden. Er legte die Leinwand flach und liess Farbe über Dosen und Pinsel herabrinnen, ohne die Leinwand zu berühren. Das war 1948 eine Revolution.

Wie viele echte da Vincis gibt es?

Rund 20 anerkannte Gemälde. Fast alle hängen in Museen. Salvator Mundi war 2017 der einzige handelbare.

Wie gross ist der Kunstmarkt insgesamt?

Weltweit rund 65 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr, davon 20 Prozent über Auktionen. Die Top 200 Sammler besitzen zusammen über 500 Milliarden Dollar.

Autor:in

Leon Eikmeier

Chefredakteur

Leon Eikmeier ist Gründer von Quiztimate und MetaOne. Er schreibt über kontraintuitive Fakten, Wissen und die Psychologie des Lernens.